Bürgermeister Jürgen Lämmle Grußwort von Bürgermeister Jürgen Lämmle
anlässlich des 20-jährigen Jubiläums von Odeon

Ich gratuliere Odeon herzlich zum 20. Geburtstag und ich gratuliere Göppingen zu dem Glück, einen solchen Verein in der Stadt zu haben. Odeon ist ein verlässlicher Garant für die Erfüllung höchster kultureller Ansprüche. Wenn auf den Parkplätzen in der Mörikestraße Autos mit fremden Nummernschildern stehen, weiß man: Odeon ist heute im Alten E-Werk und hat wieder Publikum von nah und fern angelockt. Auch für mich war bislang jeder Besuch ein Hochgenuss.

Mein großer Dank gilt all den Ehrenamtlichen, die sich für die Kultur in Göppingen bei Odeon engagiert haben. Ganz besonders hervorheben möchte ich den unglaublichen Einsatz von Klaus Ege, der den Verein seit 20 Jahren leitet und wesentlich zum Erfolg von Odeon beiträgt.
Ohne Odeon wäre Göppingen ärmer.

20 Jahre ODEON 1986 - 2006 schon wieder ein Jubiläum

Nun gibt es uns, die Kulturinitiative ODEON, schon seit 20 Jahren. Wer hätte das damals - im Mai 1986, bei der konstituierenden Sitzung sozusagen - gedacht? Half A Lifetime! Unglaublich. Und das in Göppingen, einer Stadt, die nicht gerade als Tempel der Kunst und Musen bekannt ist. Und schon purzeln mir wieder die Gedanken durcheinander. Konzentration! Wo war ich? Ach ja: Selbst die damaligen Kritiker nicken heute anerkennend und reden respektvoll von Überraschung. Hat nicht doch auch kein geringerer als der Vertreter der LAKS (Landesarbeitsgemeinschaft der Kulturinitiativen und soziokulturellen Zentren in Baden-Württemberg) bei unserer Podiumsdiskussion im Zimmertheater im Mai 1987 vor den Vertretern der Gemeinderatsfraktionen nonchalant erklärt, ODEON hätte mit seiner Vorstellung von Kulturprogramm sicher keine Überlebenschance? Doch, so war es: Der LAKS-Vertreter hielt in seinen Ausführungen für gänzlich ausgeschlossen, dass ein Verein, eine Initiative mit ausnahmslos ehrenamtlicher Tätigkeit, ein monatliches Programm mit bis zu 60 Veranstaltungen im Jahr zu stemmen in der Lage ist. Nun gut, wir haben es gekonnt!

Im März 2001 - Balsam für die Seele - eine freudige Überraschung: Der Gemeinderat honorierte unsere Arbeit und verlieh ODEON Kultur und Kontakt e.V. mit Dank für besondere Verdienste um das kulturelle Leben in Göppingen und das außergewöhnliche ehrenamtliche Engagement zum Wohl der Bürgerschaft den mit 5000 DM dotierten Heinrich-Schickhardt-Preis der Stadt durch den damaligen Oberbürgermeister Reinhard Frank. Im Rahmen einer Feierstunde. Im Alten E-Werk! Eine Würdigung, die wir so nicht erwartet hatten, zumal diesen höchsten Preis der Stadt erstmals in seiner Geschichte ein Verein verliehen bekam. Respekt und Anerkennung, ja, das tat gut - und die Urkunde erhielt einen exponierten Platz im E-Werk.

Wir feiern jetzt mit unseren 406 Mitgliedern (!) unser 20-jähriges Jubiläum und gönnen uns - mit gewissem Stolz - sowohl einen Schluck als auch einen Blick auf die Statistik und die lügt bekanntlich nicht. 1200 Veranstaltungen haben wir mit Workshops in den Sparten Theater/Kabarett, Jazz/Rock/Folk/Chanson, Kinder, Frauen, Kulturcafe organisiert und durchgeführt. Und alles im Ehrenamt und bei knapper Personaldecke. Und auch die Gesamtzuschauerzahl von 150 000 über die Jahre kann sich sehen lassen. An dieser Stelle: Dank an alle Besucher für ihr Kommen, ihr Interesse. Auf dass ihr uns weiter Vertrauen schenken und neugierig auch unbekannteren Künstlern eine Chance geben möget.
Erst recht vor dem Hintergrund, dass sich die Kulturlandschaft Göppingen und der Region über die Jahre doch erstaunlich verändert hat. Gab es vor 20 Jahren nur die Theater- und Konzertangebote in der Göppinger Stadthalle, so sind heute ringsherum in Eislingen, in Uhingen, in Salach und Süßen und ... neue Veranstaltungsbühnen (neudeutsch: Locations) entstanden. Und die werden von umtriebigen (Kultur-)Machern bespielt. Und wir spüren diese Konkurrenz durchaus. Und stellen uns ihr. Und bleiben unserem Anspruch treu, verweigern uns der Eventkultur und können eigentlich auch nicht anders ...

Gerhard Polt, Hagen Rether, Richard Rogler, Josef Hader, Pippo Pollina, Jack DeJohnette, Dave Holland, Joe Lovano, John Abercrombie ... über all die Jahre haben wir uns den Kontakt zu vielen Künstlern aus den unterschiedlichsten Bereichen erarbeitet und mit Herzblut und großem Engagement der verantwortlichen Mitarbeiter die Verbindungen gepflegt. Das Zusammentreffen mit ihnen im Alten E-Werk ist häufig ein Wiedersehen, vertraut, oft sehr persönlich, ja mittlerweile richtiggehend familiär. Und das macht Spaß und gibt Kraft und motiviert. Und gibt Einblicke, liefert Hintergründe, Aspekte ... Oft nachts, manchmal spät nachts noch, nach der Show, an der Vespertafel, auf der Empore, bei Wein und Bier und Kaffee ... beim Abschiednehmen im Hotel, am Bahnhof, am Flughafen …

Es ist einfach toll den Werdegang, die Entwicklung eines Künstlers zu beobachten, beobachten zu dürfen. Zum Beispiel Georg Schramm: Er hatte seinen ersten Auftritt 1991 im Zimmertheater vor 47 Zuschauern und heute - September 2006 - ist das Alte E-Werk restlos ausverkauft. Georg Schramm füllt mittlerweile Hallen und moderiert eben den Scheibenwischer - und kommt doch gerne dahin zurück, wo er mal klein und fein angefangen hat.
Oder einen Weltstar wie Jack DeJohnette zu erleben, einen Ausnahmemusiker ohne Starallüren, der bereits viermal im Alten E-Werk unser Gast war, großes Interesse für unsere Arbeit zeigte, uns durch seine Fürsprache bei den renommierten Konzertbüros zu etablieren half und uns ein ausverkauftes E-Werk bescherte.

Natürlich war es uns über die Jahre immer ein Anliegen, unbekannten Künstlern ein Forum zu bieten, Neues zu entdecken, Überraschungen Raum zu geben. Risiko und Spannung. Avantgarde und Performance. Lichtkunst und Tontechnik. Verwandlung und Zauberei. Puppenspiel und Artistik. Manchmal hätte ich uns noch mehr Mut gewünscht.

Jetzt, beim Reflektieren, muss ich sagen: Natürlich hatten wir auch viel Glück. Großes Glück sogar. Mit den Kulturreferatsleitern auf jeden Fall. Nach Norbert F. Mattheis konnten wir auch seinen Nachfolger im Amt, Herrn Wolfram Hosch, von unserer Arbeit überzeugen und ihn als engagierten, zuverlässigen und ambitionierten Kooperationspartner gewinnen. Dank an ihn, auf dass wir auch in Zeiten knapper Kassen die Unterstützung erhalten, die wir für die so wichtige Kulturarbeit benötigen.
Mit der lieben Ilse Schaal an der Nahtstelle hatten wir auch Glück. Sie, mit ihrem großen, selbst kreierten Kalender. Donnerstags. Fast regelmäßig. Wahnsinn! Danke Ilse.

Und unsere Glücksträhne setzte sich mit unserem Grafiker Frieder Kerler fort: Mit Beginn der ODEON-Zeitrechnung zeichnete er sich uneingeschränkt und ausnahmslos für die Ausgestaltung unseres Monatsprogramms verantwortlich. Zuverlässig, witzig, intelligent, spritzig, kritisch. Danke Frieder Kerler.

Und Glück hatten wir mit unserer Hausmeisterfamilie im Alten E-Werk, mit Tufan und Selma Selcuk. Ihr fleißiger und hoch motivierter Einsatz für die gemeinsame Sache ermöglichte uns ein angenehmes arbeiten. Auf ihre Solidarität war immer Verlass und damit das eine oder andere Unmögliche erst und tatsächlich machbar. Danke Tufan und Selma Selcuk.

Und großes Glück hatten wir natürlich auch mit unseren Finanzern, mit Werner Hettwer und H.P. Seufert. Durch ihre umsichtige Verwaltung und Akribie bei der Buchführung war es uns überhaupt erst möglich, mit unseren Etats auszukommen, hauszuhalten und die finanziellen Engpässe zu überstehen. Und die Zeiten wurden nach dem Milleniumswechsel und der Euroeinführung noch schwieriger. Die Gagen explodierten förmlich auf 1:1. Und H.P. Seufert jonglierte mit den Zahlen und Tabellen, füllte Ordner um Ordner mit seinen Zahlenspielen, Rechnungen, Belegen, konsolidierte unseren Haushalt und hielt und hält alles kreativ am Laufen. Danke H.P. Seufert, auch fürs Anpacken bei der Außenbeleuchtung und für so manches mehr.

Auch bei der Wahl unserer 2. Vorstände hatten wir ein glückliches Händchen: Betha Caesar und Birgit Schoch teilten sich sozusagen 20 Jahre Kulturarbeit im Vorstand. Tausend Dank.

Und der Glücksfall schlechthin ist - und das muss jetzt einfach gesagt werden -, das ist unser 1. Vorsitzende. Klaus Ege. Seit 20 Jahren ist er in Amt und Würden. Ununterbrochen. Ständig und konkurrenzlos wiedergewählt. Und aus gutem Grund: Seine Integrationsfähigkeit, seine Solidarität, sein mitreißendes Engagement und sein Einsatz, seine totale Identifikation mit dem Verein machten ODEON erst möglich und die 20 Jahre Kulturarbeit erst zu dem was es war, ein sattes, ewig junges Abenteuer im Fluss der Zeit.

Last but not least, nicht zu vergessen, das Glück zu huldigen: Unser Veranstaltungs-Arbeitskreis, schlicht AK genannt. Selbstverständlich. Die Schaltzentrale, das Organisationskomitee. Verantwortlich für das Programm, die Form, das Erscheinungsbild, das Auftreten, die Ideen, die Durchführung. Jeden Donnerstag. Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr. Ein unglaublich treuer Stamm an Mitarbeitern. Unser Fundament, die Basis von ODEON. So unterschiedlich die Interessen unter den AKlern ansonsten auch waren und sein mögen, für die gemeinsame Sache kannte die Solidarität und das Verantwortungsbewusstsein keine Grenzen. Und trotzdem ist der AK kein abgeschlossen agierender Kreis. Nein, hier fanden und finden sich über die Jahre vielmehr Gründungsmitglieder genauso ein wie Neuorientierte und Interessierte.

Und unser Kulturengagement geht weiter. Auf ein Neues. In die nächste Runde. 2006/2007. Die Jubiläums-Saison. Und wir garantieren ein entsprechend würdiges Programm. Attraktiv. Anspruchsvoll. Spannend. Sparten übergreifend. Who's who? Ja. Angesehene und populäre Künstler. Herausragende Solisten. Kabarett, Theater, Kleinkunst, Jazz, Rock, Kulturfrühstück, Kinderprogramm…

Und die Planungen für 2008 laufen schon …
Und mit Ihrer Unterstützung und Treue, liebe Kulturinteressierte, rechnen wir sowieso allemal … Bis demnächst also, im Alten E-Werk. In der Mörikestraße. In Göppingen. Genau.

Rudi Gaubatz

© ODEON Kultur & Kontakt e.V. - Göppingen