10 Jahre ODEON - im März '96

Heute im März '96 - hört sich, bei Rudi Gaubatz, manches ganz ähnlich an: "10 Jahre ODEON".

"560 Veranstaltungen, 1000 Erinnerungen, Freude, Irritationen, Stolz, Streß, das Alte E-Werk, noch viele Ideen und Träume. Und zum Jubiläum eine Festschrift. Ja, und jetzt die Suche nach dem roten Faden und gleichzeitig der Wunsch, alles wie's kommt einfach aufzuschreiben. Wie damals alles anfing. Zum Beispiel. Wie sich eine Gruppe Interessierter zusammenfand, gemeinsam und konsequent einen Weg beschritt und in Göppingen die Kulturlandschaft veränderte: Kabarett, Theater, Jazz, Kulturcafe, Kinderveranstaltungen. Rock, Jugendtheater und und und. In Göppingen noch nie Dagewesenes.

Und wie sich über die gemeinsame Arbeit neue Interessen entwickelten. Engagement für ein Kulturzentrum, für eine Begegnungstätte. Kultur & Kontakt. Und alles ehrenamtlich. Unbezahlbar sowieso. 70 000 Besucher, unzählige Verhandlungen mit Gemeinderäten, der Stadtverwaltung und Kooperationspartnern. Und immer wieder der Beweis der Getreuen und Sympathisanten, daß Unmögliches möglich ist: Schloßhoffest, Präsenz bei Gemeinderatssitzungen, Aktionen fürs Alte E-Werk, Leserbriefe und viel Solidarität: Salate, Kuchen, Waffeln. Forum, Pergola, Frühlingsau, Vogel Strauß (kein Anspruch auf Vollständigkeit). Pommes. Sirtaki. Zaziki. All die einschlägigen Erlebnisse mit den Hausmeistern im Zimmertheater, im Oetingersaal, in der Wasen-, Stadthalle - unsere Suche nach Steckdosen und Kommunikation... Die Kulturkarawane grüßt im Vorüberziehen. Bis wir uns endlich im Herbst 1993 im Alten E-Werk wieder- und einfanden.

Vielen Dank an das Hochbauamt der Stadt Göppingen, an Frieder Spät, für .seinen Witz, sein Interesse, seine Geduld mit uns, für das Alte E-Werk: "Eine der schönsten Kulturstätten Süddeutschlands" (Künstler- und Publikumstenor).
Dank an alle Anzeigenkunden, Dank an Frieder Kerler, sie ermöglichten unser Monatsprogramm pünktlich und kontinuierlich, für euch, unser Publikum.

Wie die Gedanken so purzeln: gestern wie heute, morgen, vorgestern wie übermorgen. Und wir schon bei der Planung des Programms für das Fruhjahr 1997. 1000 Träume und häufig genug noch mehr Schwierigkeiten, die es anzugehen oder auszusitzen galt - und dennoch das Gefühl, es geht immer vorwärts und weiter.

Gerhard Polt. Jack DeJohnette. Eckhard Henscheid. Siggi Zimmerschied. Und Harry Rowohlt, eine durchzechte Nacht, unglaubliche Stories, ein Weizenbier zum Abschied am Bahnhof und Göppingen in Pooh's corner. Sebastian Fichtner, Synonym für professionelle Tontechnik und Zuverlässigkeit. Gartenstraße 39. Bücherwurm, 10 Jahre unsere Vorverkaufsstelle. Thomas Roos, noch viel länger unser Bücherwurm. Telefon 0 71 61 / 7 94 60. 10 Jahre ODEON.

Und immer noch mehr Geschichten: fehlende DI-Boxen, Klaviertransporte in Regen und Schnee, "the man with the contract is ill", Göttingen statt Göppingen (eine schwerwiegende Verwechslung), Quartett im Trio, ein zweiter Schlagzeuger anstelle eines Tenorsaxophonisten, wo ist denn euer Versatzkasten?...

Dank an Norbert f. Mattheis, der in seiner Funktion als Kulturamtsleiter und konstruktiver Kooperationspartner im Jazz und Jugendtheater neue Dimensionen ermöglichte. Der unsere JAZZtime mit zu einer international gefragten Institution machte (Angebote aus der ganzen Welt sprechen für sich). Und natürlich die Finanzen, ständig mit im Hinterkopf all unserer Überlegungen. Und über all die Streichungen der Kultur-/Sozialetats ringsherum häufig genug die Frage: Ist so ein Kulturprogramm wie dieses überhaupt noch zu finanzieren? Ja und wie sieht es mit den städtischen Fördergeldern aus? Hoffentlich werden sie noch rechtzeitig überwiesen? Ausländersteuererhöhung. Künstlersozialversicherung. Gema-Gebühren. Welche Eintrittspreise können wir unserem Publikum noch zumuten? Und dann an jedem Jahresende wieder die Feststellung: Es hat doch irgendwie funktioniert. Unglaublich. Und mittlerweile 335 Mitglieder, die mit ihrem Jahresbeitrag Rückhalt und Fundament für all unsere Unternehmungen sind. Danke.

Nichts ist selbstverständlich. Und immer noch 10 Jahre ODEON. Und jeden Donnerstag Veranstaltungsplanung und -organisation und Alles-was-noch-so-anfällt im ZAK (Zentraler Arbeitskreis). Und Wochenende für Wochenende - wie die Zeit oft rasant verfliegt - die Veranstaltungsdurchführung mit Kasse, Auf- und Abstuhlung, Licht und Technik Thekendienst. Aufräumen, die Künstler sind versorgt, und noch ein letztes gemeinsames Bier. Und immer wieder dieselben Gesichter Und immer wieder Spaß, immer wieder eine Bereicherung. Neue Begegnungen. Alte Bekannte. Fremde Kulturen. Zuspruch und Kritik. Sowieso. Eintrittskarten. Programme und Plakate. Fertigen. Verteilen. Und auch hier unser Dank an die vielen Helfer, von denen wir immer noch nicht genügend haben. Assoziationen. Europatournee: Nizza - Göppingen - Istanbul - Rom ... Frühstück um 4 im Hotel "Hohenstaufen" - Sonnenaufgang am Flughafen Stuttgart. Nacht- und Nebelfahrt nach Ulm mit dem nagelneuen Transporter eines Gönners. Rauhreif und Glatteis auf der Alb.

Und die Erfahrung, wie die Lokalpresse (NWZ) immer mehr auf uns aufmerksam wurde und jetzt unsere Veranstaltungen fast regelmäßig mit Kritiken begleitet. Und überregional Iängst die Stuttgarter Zeitung, das Jazz Podium. Improvisationen. Defekte Lichtmaschine am Samstag abend. Lost and not found: keine Becken, kein Kontrabaß, alles in London oder irgendwo.

Und die schöne Erfahrung, daß wir zusammen doch alles auf die Reihe kriegen.

Und am Ende der Hinweis, daß sich unsere Themenarbeitskreise (TAKs) an anderer Stelle in diesem Heft selbst vorstellen. Dank an alle, die sich einbrachten, einbringen und einbringen werden."
Rudi Gaubatz

© ODEON Kultur & Kontakt e.V. - Göppingen